Der Cyberangriff auf das Berliner Landesnetz macht diese zweite Phase besonders sichtbar. Nach dem im August festgestellten Angriff wurden große Mengen gestohlener Daten veröffentlicht. Berlin untersucht die veröffentlichten Informationen derzeit mit IT-Forensikern und bewertet mögliche Auswirkungen risikobasiert. Anfang September wurde zudem ein weiteres Datenpaket veröffentlicht, das unter anderem Zugangsdaten enthielt.
Der Fall Berlin ist deshalb mehr als ein weiterer Cybersecurity-Vorfall. Er führt eine zentrale Frage vor Augen:
Was passiert, wenn die Schutzmaßnahmen einer Organisation nicht ausreichen – und wie gut ist sie auf diesen Moment vorbereitet?
Die klassische Vorstellung von Informationssicherheit ist häufig präventiv geprägt: Firewalls, Endpoint Protection, Multifaktor-Authentifizierung, Schwachstellenmanagement oder Security Monitoring sollen verhindern, dass Angreifer in die Systeme gelangen. All diese Maßnahmen sind unverzichtbar. Gleichzeitig lässt sich das Risiko eines erfolgreichen Angriffs nicht vollständig ausschließen. Genau hier beginnt Cyberresilienz. Cyberresiliente Organisationen gehen deshalb einen Schritt weiter. Sie fragen nicht nur:
„Wie verhindern wir einen Angriff?“
Sondern auch:
„Was tun wir, wenn ein Angriff gelingt?“
Das verändert den Blick auf Informationssicherheit. Im Mittelpunkt steht nicht mehr allein die Frage nach dem bestmöglichen Schutz, sondern die Fähigkeit einer Organisation, einen Cybervorfall zu erkennen, seine Auswirkungen zu begrenzen, angemessen zu reagieren und den Betrieb kontrolliert wiederherzustellen.
Für Soforthilfe im Falle eines Cyberangriffs, kontaktieren Sie unsere Spezialistinnen und Spezialisten.
Der Angriff auf das Berliner Landesnetz zeigt exemplarisch, wie sich die Auswirkungen eines Cybervorfalls über mehrere Phasen hinweg entwickeln können. Zunächst geht es um die technische Kompromittierung. Danach um die Eindämmung des Angriffs und die Wiederherstellung der Systeme. Doch damit ist die Situation nicht zwangsläufig beendet. Wenn Daten abgeflossen sind, beginnt eine weitere, wesentlich komplexere Phase:
Berlin setzt bei der Analyse der veröffentlichten Daten deshalb auf eine risikobasierte Priorisierung. Sicherheitsbehörden, IT-Forensiker, Datenschutzbehörden und weitere Stellen arbeiten dabei zusammen. Für Unternehmen und öffentliche Organisationen lässt sich daraus eine grundsätzliche Frage ableiten:
Wissen Sie, welche Daten im Ernstfall besonders kritisch sind?
Nicht jede Information hat denselben Schutzbedarf. Ein verlorenes Dokument ist etwas anderes als ein kompromittiertes Administratorkonto. Eine veröffentlichte Telefonnummer hat andere Folgen als Zugangsdaten, personenbezogene Informationen oder Informationen über kritische Prozesse. Wer seine kritischen Informationen nicht kennt, kann ihre Risiken nur schwer angemessen bewerten.
Resilienz entsteht nicht erst während eines Cyberangriffs. Sie ist das Ergebnis von Vorbereitung. Dabei geht es nicht darum, jedes denkbare Szenario vorherzusagen. Entscheidend ist vielmehr, die wesentlichen Abhängigkeiten zu kennen und für kritische Situationen handlungsfähig zu bleiben.
Am Anfang steht Transparenz. Welche Daten sind besonders schützenswert? Welche Anwendungen und Systeme sind für den Geschäftsbetrieb kritisch? Wo befinden sich Abhängigkeiten zu Dienstleistern, Cloud-Plattformen oder anderen IT-Systemen?
Eine belastbare Cyberresilienz setzt voraus, dass die Organisation ihre kritischen Assets, Daten und Prozesse kennt.
Auf dieser Grundlage können Schutzmaßnahmen gezielt priorisiert werden. Dazu gehören beispielsweise:
Dabei geht es nicht darum, möglichst viele Sicherheitslösungen einzusetzen. Entscheidend ist, ob die Maßnahmen zum individuellen Risikoprofil der Organisation passen.
Zwischen dem Beginn eines Angriffs und seiner Entdeckung kann wertvolle Zeit liegen. Je länger Angreifer unentdeckt in einer Umgebung agieren können, desto größer kann der potenzielle Schaden werden. Deshalb gehören Monitoring, Detection & Response und klar definierte Eskalationswege zu den wesentlichen Elementen einer resilienten Sicherheitsarchitektur.
Wie schnell würde Ihre Organisation erkennen, dass ein Angreifer bereits im System ist?
Ein Cybervorfall ist nicht nur ein technisches Problem. Während IT-Teams Systeme analysieren und isolieren, müssen andere Verantwortliche möglicherweise bereits Entscheidungen treffen: Geschäftsführung, Informationssicherheit, Datenschutz, Legal, Kommunikation, HR oder das Krisenmanagement. Deshalb braucht Cyberresilienz klare Verantwortlichkeiten.
Ein belastbarer Incident-Response- und Krisenmanagement-Prozess sollte unter anderem klären:
Im Ernstfall ist keine Zeit, Zuständigkeiten erst zu definieren.
Besonders herausfordernd wird ein Cybervorfall, wenn Daten nicht nur verschlüsselt, verändert oder gelöscht, sondern tatsächlich kopiert und veröffentlicht werden. Denn ein kompromittiertes System lässt sich absichern. Ein kompromittiertes Passwort lässt sich ändern. Eine einmal veröffentlichte Information lässt sich jedoch nicht ohne Weiteres zurückholen. Das macht Datenabfluss zu einer besonderen Form des Cyberrisikos. Die möglichen Folgen reichen – abhängig von Art und Umfang der Daten – von Datenschutz- und Compliance-Fragen über Betrugs- und Identitätsmissbrauchsrisiken bis hin zu Reputationsschäden und sicherheitsrelevanten Auswirkungen. Der Berliner Fall zeigt zudem, dass die Analyse eines Datenabflusses selbst zu einer erheblichen Aufgabe werden kann. Nach der Veröffentlichung der Daten wurde deshalb eine zentrale Steuerungseinheit eingerichtet, die die Sichtung, Prüfung und Bewertung der abgeflossenen Informationen koordiniert.
Könnten Sie innerhalb kurzer Zeit feststellen, welche Ihrer kritischen Informationen bei ei-nem Datenabfluss betroffen wären?
Wenn die Antwort „Nein“ lautet, liegt darin bereits ein relevantes Resilienzrisiko.
Informationssicherheit wird häufig primär als Aufgabe der IT verstanden. Das greift zu kurz. Ein schwerwiegender Cybervorfall kann Geschäftsmodelle, Lieferketten, Kundenbeziehungen, regulatorische Verpflichtungen und die Reputation einer Organisation betreffen.
Cyberresilienz verbindet deshalb unterschiedliche Perspektiven:
IT & Cybersecurity
Erkennen, Eindämmen und
technische Wiederherstel
Risk Management
Bewertung und Priorisierung
von Risiken
Datenschutz & Legal
Bewertung rechtlicher und regulatorischer Auswirkungen
Business Continuity Management
Aufrechterhaltung kritischer
Geschäftsprozesse
Krisenmanagement & Kommunikation
Steuerung und Kommunikation
im Ernstfall
Management & Governance
Entscheidungen, Verantwortlichkeiten
und Prioritäten
Eine resiliente Organisation bringt diese Perspektiven zusammen. Cyberresilienz ist keine einzelne Technologie. Sie ist die Fähigkeit einer Organisation, auch unter außergewöhnlichen Bedingungen handlungsfähig zu bleiben.
Wie gut ist Ihre Organisation auf einen erfolgreichen Cyberangriff vorbereitet?
1. Kennen Sie Ihre kritischen Daten?
Wissen Sie, welche Informationen bei einem Abfluss besonders hohe Auswirkungen für Ihr Unternehmen, Ihre Kunden oder Ihre Mitarbeitenden hätten?
2. Kennen Sie Ihre kritischen Prozesse?
Welche Geschäftsprozesse müssen auch während eines Cybervorfalls funktionieren – und von welchen Systemen und Dienstleistern hängen sie ab?
3. Erkennen Sie Angriffe schnell genug?
Sind Ihre Systeme in der Lage, ungewöhnliche Aktivitäten zuverlässig zu erkennen und relevante Alarme an die richtigen Stellen zu eskalieren?
4. Sind Rollen und Entscheidungen geklärt?
Wissen Management, IT, Cybersecurity, Datenschutz, Legal und Kommunikation, wer im Ernstfall welche Verantwortung übernimmt?
5. Können Sie den Geschäftsbetrieb wiederherstellen?
Sind Backups, Wiederanlaufverfahren und Notfallprozesse nicht nur vorhanden, sondern auch getestet?
6. Wissen Sie, was nach einem Datenabfluss zu tun ist?
Können Sie schnell ermitteln, welche Daten betroffen sind, welche Risiken daraus entstehen und welche Maßnahmen daraus folgen? Je mehr dieser Fragen Sie nicht eindeutig beantworten können, desto größer ist der Handlungsbedarf.
Für Soforthilfe im Falle eines Cyberangriffs, kontaktieren Sie unsere Spezialistinnen und Spezialisten.
Ein wirksames Cybersecurity-Konzept muss deshalb zwei Perspektiven verbinden: Schützen, was wichtig ist. Und: Vorbereitet sein, wenn Schutzmaßnahmen versagen.
Dazu gehören technische Sicherheitsmaßnahmen ebenso wie klare Prozesse, Verantwortlichkeiten, Notfallpläne und regelmäßige Tests. Besonders wichtig ist dabei der Blick auf das Zusammenspiel der einzelnen Komponenten. Denn die beste Technologie hilft wenig, wenn niemand weiß, wer im Ernstfall entscheiden darf. Der beste Notfallplan hilft wenig, wenn er nie getestet wurde. Und die beste Datensicherung hilft wenig, wenn kritische Systeme nicht innerhalb eines akzeptablen Zeitraums wiederhergestellt werden können. Cyberresilienz entsteht deshalb nicht durch eine einzelne Maßnahme, sondern durch das Zusammenspiel von Technologie, Organisation, Prozessen und Menschen.
Wie würde es sich in einem realistischen Szenario tatsächlich verhalten? Genau hier setzen beispielsweise technische Assessments, Incident-Response-Übungen, Tabletop Exercises, Red-Team- oder Penetrationstests, Business-Continuity-Tests sowie Analysen kritischer Daten und Prozesse an. Sie schaffen die Möglichkeit, Schwachstellen sichtbar zu machen, bevor ein Angreifer sie entdeckt.
Cyberrisiken lassen sich nicht vollständig vermeiden. Sie lassen sich aber verstehen, reduzieren und beherrschbar machen. BDO Cyber Security GmbH unterstützt Organisationen dabei, ihre Cyberrisiken ganzheitlich zu betrachten – von der Identifikation und Bewertung kritischer Risiken über präventive Sicherheitsmaßnahmen bis hin zu Incident Response, Krisenmanagement und der Wiederherstellung der Handlungsfähigkeit. Dabei verbinden wir technische Expertise mit einem ganzheitlichen Blick auf Prozesse, Organisation, Governance und Geschäftsrisiken. Denn das Ziel ist nicht nur, Angriffe möglichst zu verhindern. Das Ziel ist, dass Ihre Organisation auch dann handlungsfähig bleibt, wenn ein Angriff gelingt. Wie resilient ist Ihre Organisation?
Lassen Sie uns gemeinsam prüfen, wo Ihre Organisation heute steht und welche Maßnahmen ihre Cyberresilienz gezielt stärken können.
Mit präventiven Maßnahmen gegen Sicherheitsvorfälle vorsorgen.


